Vita

Die deutsche Künstlerin Mi Kyung Lee mit koreanischen Wurzeln, *1967, begann ihr Studium der Malerei in Seoul an der Ewha Womans University. 1990 kam sie nach Deutschland, weil sie Maler wie Gerhard Richter und Anselm Kiefer anzogen. Hier studierte sie Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf und Münster (bis 2000) – unter anderem als Meisterschülerin von Prof. Udo Scheel sowie bei Prof. Ulrich Erben. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Bilder sind in einigen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen, national und international zu sehen.


Mi Kyung Lee ist Mitglied im Westdeutschen Künstlerbund e.V.

«Jedes meiner Bilder ist Raum für die Betrachterin / den Betrachter, eigene Geschichten zu entdecken. Alles was ich male existiert nicht wirklich – es sind Bilder von Erlebnissen und Erinnerungen oder einfach Platz für Phantasie.»

Preise

2003 „start“ – Förderpreis Nachwuchskünstler der Kulturstiftung der Kreissparkasse Steinfurt – Preisträger(in), Steinfurt, Deutschland
2000 Asia-Europe Young Artists’ Painting Competition - Nominiert- Seoul, Südkorea
1998 Preis des DAAD – Preisträger(in) – Münster, Deutschland
 

Einzelausstellungen

2020/21 Clouds & Landscapes / KVLEGAL – Berlin, Deutschland
2013 Der weite Blick / St. Johanniskirche – Herford, Deutschland
2012 Blackscapes / Galerie Hoffmann Contemporary Art – Rheda-Wiedenbrück, Deutschland
2011 Schwarz Landschaft / Galerie MünsterArt – Münster, Deutschland
2010 Atelier 2010 Seoul / b2project-gallery – Seoul, Südkorea
2009 Erinnerungslandschaften / Leonardo-Campus – Münster, Deutschland (K)
2009 Schwarz Landschaft / Quartier 7 – Münster, Deutschland (K)
2007 Schwarz Landschaft / GLS-Bank – Bochum, Deutschland
2005 Irgendwo / Galerie Januar – Bochum, Deutschland
2004 Schwarz Landschaft / Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherungen – Münster, Deutschland
2004 ganz weit weg / zweite_Zeit, Förderverein aktuelle Kunst – Münster, Deutschland
2002 Schwarz Landschaft / schumannsraum – München, Deutschland (K)
1999 Westöstliche Metamorphosen / Kunsthandel Michael Nolte – Münster, Deutschland
1998 Das Zimmer / cuba – Münster, Deutschland (K)
  (K) = Katalog

Gruppenausstellungen

2019 Sichtweiten, 34. Übersichtsausstellung des Westdeutschen Künstlerbundes / Städtische Galerie Iserlohn – Iserlohn, Deutschland (K)
2019 Lichtecht / Dr. Carl Dörken Galerie – Herdecke, Deutschland (K)
2018 Lichtecht / Balta Galerie – Kaunas, Litauen
2017 Aktuelle Kunst aus China, Korea, Japan, Vietnam / artlet-studio – Münster, Deutschland
2017 Black & White / artlet-studio – Karlsruhe, Deutschland
2017 Märzenbecherduft / Galerie Alte Schule – Berlin, Deutschland
2014 kreatürlich / artlet-studio – Münster, Deutschland
2014 Künstler der Galerie Hoffmann zu Gast bei Galerie Root Berlin / Galerie Root – Berlin, Deutschland
2012 Zeitgenössische Kunst zur Bibel / St. Johanniskirche – Herford, Deutschland (K)
2011 unterwegs – zuhause / Galerie Meno Parkas – Kaunas, Litauen
2010 Imaginary Scene / Cais Gallery – Hong Kong, China
2010 Hong Kong Art Fair / Hong Kong Art Fair, Cais Gallery – Hong Kong, China
2010 Seoul Open Art Fair 2010 / Seoul Open Art Fair 2010 – Seoul, Südkorea
2010 Landpartie – WKB / Museum Abtei Liesborn – Wadersloh, Deutschland
2009 Neue Landschaft – WKB / Galerie Meno Parkas – Kaunas, Litauen (K)
2009 Neue Landschaft – WKB / Bildungszentrum ThyssenKrupp Steel – Duisburg, Deutschland (K)
2008 Gemeinschaftsausstellung / Galerie Kätelhön – Möhnesee, Deutschland
2006 kalkuliert und intuitiv / Museum Grudziadz – Grudziadz, Polen
2006 kalkuliert und intuitiv ... konkret – konstruktiv informel – dekonstruktiv / Galerie Meno Parkas – Kaunas, Litauen
2006 Meisterschülerinnen Prof. Udo Scheel / Sparkasse Gelsenkirchen-Buer – Gelsenkirchen-Buer, Deutschland
2006 ein Atelier – zweimal Malerei / Wohn+Stadtbau Münster – Münster, Deutschland
2005 Jahresgaben 2005 / Westfälischer Kunstverein – Münster, Deutschland (K)
2005 Lohn der Arbeit – WKB / Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr – Mülheim an der Ruhr, Deutschland (K)
2005 Erinnerungslandschaften / Kunstverein Ahaus – Ahaus, Deutschland
2004 Malerei 04 / Barmenia Versicherungen – Wuppertal, Deutschland (K)
2004 Heimweg / Galerie Martin Kudlek – Köln, Deutschland (K)
2004 Malerei 04 / Kunsthalle Recklinghausen – Recklinghausen, Deutschland (K)
2004 Landscapes / Galerie S65 – Köln, Deutschland
2004 HIER UND JETZT / Gustav-Lübke-Museum – Hamm, Deutschland (K)
2004 Landschaftsbilder – Bochum sammelt II / Museum Bochum – Bochum, Deutschland (K)
2003 Ingrid Langanke & Mi-Kyung Lee / Verein für aktuelle Kunst Ruhrgebiet – Oberhausen, Deutschland
2003 sTART / Kulturstiftung der Kreissparkasse Steinfurt – Steinfurt, Deutschland (K)
2002 06-02 / Galerie Clasing – Münster, Deutschland
2002 Übersicht – WKB / Museum Bochum – Bochum, Deutschland (K)
2001 Kleinskulpturen & Objekte, Bildreihen / Galerie Michael Schlieper – Hagen, Deutschland
2001 „evident/ambivalent“ – Westdeutscher Künstlerbund in Litauen / Galerie Meno Parkas – Kaunas, Litauen
2000 Asia-Europe Young Artists’ Painting Competition / Asia-Europe Foundation, Seoul Arts Center – Seoul, Kyongju World Culture Expo, Kyongju, Na In Gallery, Kwangju und weitere, Südkorea (K)
2000 Von Haus zu Haus, Westdeutscher Künstlerbund (WKB) / Städtische Galerie Lüdenscheid – Lüdenscheid, Deutschland (K)
1999 Lichteinfall / Simultanhalle – Köln, Deutschland
1999 Meisterschüler in Westfälischen Schlössern / Haus Opherdicke – Holzwickede, Deutschland
  (K) = Katalog

Boesner Magazin „Kunst und Material“

Leitartikel

Juli/August 2020 Leitartikel in der Zeitschrift „Kunst & Material“ der Firma Boesner über meine Arbeit. Text von Sepp Hiekisch-Picard

Hier können Sie ein PDF des Artikels herunterladen.

Texte

Textauszüge von verschiedenen Kuratoren und Rednern über meine Arbeit

Ein flirrendes Farbenspiel ringsum an den Wänden empfängt den Besucher im Berliner Atelier der koreanischen Künstlerin Mi Kyung Lee. Großformatige, direkt an die Wand gestiftete Leinwände, über und über bedeckt mit kreisrunden, sich überlagernden und sich durchdringenden Farbflächen, wie Ausschnitte aus einer vielstimmigen, raumgreifenden Farbmusik. Daneben kleinformatige, kissenartige Bilder, deren transparenter Farbauftrag eher Ruhe und meditative Konzentration vermittelt. Überall finden sich in dem geräumigen Atelierraum im Erdgeschoss einer Kreuzberger Altbauwohnung die Spuren intensiver Arbeitsprozesse: Selbst gefertigte oder auch gekaufte Stempelkissen, nach Größen sortiert auf dem großen Werktisch, daneben Farben, Pigmente, Pinsel und Werkzeuge. An den Wänden die Abdrücke der Farben, die durch die Leinwände oder Papiere hindurch ein eigenes Bild erschaffen haben. Seit zwei Jahren experimentiert Mi Kyung Lee mit neuen künstlerischen Techniken und Ausdrucksformen. Farbe hat Einzug gehalten in ihre schwarz-weiße Bildwelt, deren an fernöstliche Tuschmalerei erinnernde Ölgemälde über zwei Jahrzehnte hinweg ihr unverkennbares Markenzeichen waren. Im Gespräch und bei der gemeinsamen Betrachtung ihrer neuen Werke merkt man der Künstler in ihre spontane Freude und Entdeckerlust an, mit denen sie sich an diese neue Werkreihe gemacht hat. Ein überraschender Schritt in ihrer künstlerischen Entwicklung, aber doch ein Schritt, dem bei genauem Hinsehen durchaus eine schon in ihrer früheren Malerei angelegte Logik innewohnt. (…)

Sepp Hiekisch-Picard
 



Denn wenn wir uns die Zeit nehmen, die diese Bilder fraglos erfordern, so ist es gerade das Fehlen motivischer Anziehungspunkte, das Ausbleiben von Effekten und Sensationen, das die Sinne schärft und den Blick auf sich selbst zurückwirft: eine Malerei ganz ohne Behauptungen; eine Malerei, deren Bildwelt in letzter Konsequenz nicht mehr verspricht, als wir, die Betrachter, mit unserer Einbildungskraft, unserer Erinnerung und Erfahrung einlösen können.


Dr. Stefan Rasche
 



Eine Vielzahl von Aktionen führen also zur Bildformung: Mi-Kyung Lee setzt in ihrer Arbeit Farbe in Bewegung!

Bei aller Verschiedenheit der Vorgehensweise und Unterschiedlichkeit der malerischen Aktionen, von langsam bis sehr schnell, ist wahrzunehmen, dass die Künstlerin in ihrer Arbeit, im Umgang mit der Farbe die sichere Ruhe bewahrt, die das Bild braucht, um so wirken zu können, wie es dem Betrachter begegnet.

Es gibt keine begrenzenden Farbsetzungen: Immer ist erlebbar, dass die Bildgröße und das Format nur die physischen Grenzen des Wahrnehmbaren sind. Die Intentionen der Malerin weisen weit über den Bildrand hinaus.

Ehe sich ein bestimmtes Motiv offenbart oder Motivassoziationen bilden, setzt etwas Bedeutendes ein: Der Vorgang der Entstehung eines Bildes ist nachzuempfinden.

In der Textur der Oberfläche wird offengelegt, was da passiert ist, um den Betrachter so sehr zu beeindrucken. Es agieren unterschiedliche Beschaffenheiten des Farbmaterials in der jeweils auftretenden Form – satter Glanz, reflektierende, matte, stumpfe oder aufsaugende Oberfläche. Sie lassen wechselnde Wahrnehmungen entstehen.


Ekkehard Neumann
 


… eine Landschaft jenseits der Landschaft, fern jeder Abbildhaftigkeit, vielleicht sogar: ein Landschaftsextrakt, das potenziell alle Landschaften umfasst, noch in Entstehung begriffen, irgendwo zwischen völliger Leere und maximaler Dichte. (…) Gerade in ihrer zurückhaltenden, unaufdringlichen Komposition erscheinen uns die Bilder freilich nicht als benennbare Naturporträts, sondern eher als Visionen, vielleicht sogar als Ideen einer Landschaft.

Dr. Stefan Rasche



(…) Interessant ist nun, dass auch der westliche Betrachter sofort und unmittelbar Zugang zu Mi-Kyung Lees Bildästhetik findet. Die Sehtradition, in der er unwissentlich steht, ist die der Photographie. Durch sie hat er sich an eine Betrachtung der Welt in Schwarz und Weiß gewöhnt wie durch kein anderes Medium zuvor – weder Kupferstich noch Holzschnitt oder Bleistiftzeichnung – und an die Idee, dass auch schwarz-weiße Bilder die gesamte farbige Welt wiedergeben können.
Auch eine metaphorische Bedeutung kommt der Photographie zu: Wie man sich in die Dunkelkammer begibt, wo beim Ausbelichten der Bilder ganz allmählich aus dem Weiß des Papiers ein Bild entsteht, stehen wir als Betrachter vor den Dunkelbildern von Mi-Kyung Lee. Wir fungieren sozusagen selbst als »Entwickler« und durch anhaltende, eingehende Betrachtung erscheinen nach und nach immer mehr Details, wird aus dem abstrakten Schwarz allmählich ein ungeheuer tiefer Raum, eine Landschaft.
Oder aber viele Landschaften. Denn oft genug passiert es, dass man in einem Gemälde so viele Details entdeckt, dass sie einander zu widersprechen beginnen. Wenn das dort die Horizontlinie ist, dann kann das Weiße darüber unmöglich ein Wasserspiegel sein. Wenn aber über dem Wasser erst der Horizont beginnt, wo kommen dann die Berge darunter her? Und wie kann die schwarze Zone dort ein Wald sein, wo sie doch auf der anderen Seite des Bildes als Fluss erscheint?
So kann es geschehen, dass wir einen Dreischritt vollziehen: Aus den gegenstandsfernen Schwarz-Weiß-Bildern sehen wir eine Landschaft auftauchen, die allmählich wieder in die Abstraktion wegdämmert, in ihre rein malerischen Bestandteile zerfällt, als halluziniertes Traumgespinst einer Landschaft letztlich ungreifbar bleibt. (…)

Dr. Stephan Trescher
 



(…) Mannigfaltige Assoziationen an Fels- oder Waldformationen, an neblige Wiesen- und Flusslandschaften stellen sich ein, immer in eine nächtliche, mehr verschleiernde als klar bezeichnende Stimmung gehüllt. Die Horizontale bleibt dabei wie in den abstrakten Kompositionen das bestimmende Element: Als tief liegender Horizont, als verfließende Grenze zweier nicht eindeutig bestimmbarer Bildschichten oder als Lichterscheinung in der Ferne zu lesen, verleiht sie den Gemälden eine innere Ruhe, in der alles in einer Art Schwebezustand gehalten wird. Der Eindruck von Landschaft stellt sich in diesen Bildern unmerklich ein, bei aller Andeutung und Vagheit in den einzelnen Formen und Elementen allerdings unabweisbar in der Gesamtwirkung der Komposition. Gesteuerter Zufall, sekundenschnelles Reagieren auf das Verlaufen des Malmaterials, Ölfarbe mit Leinöl und Firnis, Farbvermischungen und Farbabstoßungen, planvolle Untermalungen einerseits und gleichzeitig das Überrascht-Werden und das Zulassen von plötzlich auftretenden Malereignissen liegen diesen Arbeiten zugrunde. Nicht zufällig erinnern sie an die Prozessualität chinesischer Tuschmalerei oder auch an die überraschend modernen Traumlandschaften, welche der als als Romancier bekanntere Victor Hugo mit Pinsel und Tusche bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts anfertigte. Wie diesem geht es Mi-Kyung Lee nicht um das naturalistische Abbild einer gesehenen oder erlebten Landschaft, sondern um den Versuch, eine Stimmung, eine Atmosphäre einzufangen: Melancholie, Versunkenheit, Erinnerung an Landschaften der Kindheit klingen an, um sich sofort wieder zu verflüchtigen. Andeuten und Verbergen halten sich in einer sensiblen Balance – nichts wird zur Eindeutigkeit ausformuliert, nichts wird dechiffriert, ein traumhafter Schleier scheint diese Landschaften des Inneren für den Betrachter in eine nicht greifbare Ferne zu entrücken. (…)

Sepp Hiekisch-Picard

Mi Kyung Lee: Bücher Schwarz Landschaft 1 (2002, Wertstatt Verlag) und 2 (2009, Verlag Kettler).
Von Schwarz Landschaft 2 sind noch Exemplare erhältlich. Bestellung über Mi Kyung Lee.

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